Nass-Kollodium-Verfahren

2016-1-Ruck-Zuck Edeldruck (Nass-Kollodium) (PDF)

Literatur: „DAS KOLLODIUM“, Peter Michels, ISBN  978-3-9819138-0-4 Buch im Internet

Eine Kurze technische Anleitung

Von Torsten Grüne

Ich möchte hier nun in relativ wenigen Worten den Ablauf der Technik beschreiben und einige Rezepturen mitgeben.

Neben den vielen „begleitenden“ Arbeiten, wie z.B. Chemikalien ansetzen und putzen und reinigen, ist der grundsätzliche Ablauf folgender:

–    putzen der Glasplatten

  • Platte mit gesalztem Kollodium begießen (beschichten)
  • noch feuchte Platte im Silberbad sensibilisieren
  • feuchte Platte in der Kamera belichten
  • entwickeln der Platte mit Eisenvitriol-Entwickler
  • kurzes wässern der Platte
  • fixieren und klären der Platte
  • wässern (Schlusswässerung)
  • versiegeln der empfindlichen Schicht mit Firnis-Lack

Ich beginne mal mit dem Silbernitrat-Bad. Das Sensibilisierungsbad ist eine 10%-ige Silbernitrat Lösung. Grundsätzlich relativ einfach, jedoch muss dieses Bad regelmäßig zur Reinigung filtriert werden. Da sich das Silberbad im Laufe der Zeit auch verbraucht, muss es regelmäßig kontrolliert und wieder aufgefrischt werden. Man sollte sich hierfür einen Aärometer zulegen, womit man die Dichte der Lösung messen kann. Mit diesem Aärometer misst man gleich am Anfang (nach dem Ansetzen des frischen Silberbades) die Dichte der Lösung und notiert sich diese (am besten auch auf der Aufbewahrungsflasche). Ist die Dichte der Lösung im Laufe der Zeit nicht mehr ausreichend, muss so viel Silbernitrat zum Bad hinzu geführt werden, bis die anfängliche Dichte wieder gegeben ist. So kann das Silberbad sehr lange, über mehrere Jahre verwendet werden.

Das gesalzte Kollodium kann man entweder fertig kaufen oder sich selber ansetzten. Das selber Ansetzen hat den Vorteil, dass man sich immer genau so viel frisch ansetzen kann wie man in der nächsten Zeit benötigen wird. Es gibt unzählige Rezepturen für gesalztes Kollodium, welche sich überwiegend in der Verwendung der Salze unterscheiden. Die üblichen zur Verwendung kommenden Salze sind:  Ammonium-Bromid, Ammonium-Jodid, Kalium-Jodid, Cadmium-Jodid und Cadmium-Bromid. Wobei viele Anwender die giftigen Cadmiumsalze versuchen zu vermeiden, was durchaus möglich ist.

Das Jodidsalz gibt der Emulsion mehr Empfindlichkeit, verursacht jedoch auch einen höheren Kontrast. Wohingegen das Bromid zu einen ausgeglichenen Kontrast führt, jedoch die Lichtempfindlichkeit der Platte darunter leidet. Daher verwendet man immer eine Mischung dieser Salze.

Das Rohkollodium hat in der Regel eine Konzentration von 4%. Diesem wird so viel Ether und Alkohol (meist verwendet man vergällten Ethanol. Das ist billiger, und wir wollen es ja nicht trinken) zugeführt, bis man eine Konzentration von 1,5% bis 2% Kollodium hat. Die notwendigen Salze werden mit sehr wenig destilliertem Wasser aufgelöst und dann langsam der Kollodium-Lösung hinzugeführt. Die meisten so angesetzten Kollodium Lösungen müssen noch einige Tage bis zu einer Woche „reifen“.

Frisches gesalztes Kollodium hat eine höhere Empfindlichkeit und liefert oft einen niedrigeren Kontrast als altes Kollodium. Altes Kollodium wird meist dunkel bis braun, und neigt häufig dazu weniger gut auf der Glasplatte zu haften. In der Literatur wurde dazu oft der Begriff „mürbes Kollodium“ verwendet.

Der Entwickler basiert auf einer „physikalischen“ Entwicklung und das Bild entsteht sofort. Diese funktioniert folgendermaßen: an den belichteten stellen wird das Silber reduziert, wobei das Silber der unbelichteten Stellen gelöst wird und an den belichteten Stellen andockt, um dort wiederum die Bilddichte relativ zur Belichtung zu erhöhen. Es wird nur wenig Entwickler benötigt, und die Entwicklungszeit dauert zwischen 30 Sekunden und maximal 2 Minuten.

Für eine 18x24cm große Platte benötigt man ca. 30 bis 40 ml Entwickler, daher verwenden viele Anwender praktischerweise ein Schnapsglas zur Entwicklung.

Der Entwickler wird in einem Schwung zügig auf die wagerecht gehaltene Platte gegossen. Dabei schwenkt man die Platte so, dass sich der Entwickler gleichmäßig auf der Platte verteilen kann, ohne dass alles davon während der Entwicklung wieder herunter fließt.

Die Entwicklung muss noch bei rotem Dunkelkammerlicht durchgeführt werden.

Nach der Entwicklung kommt die Platte direkt in ein Bad mit destilliertem Wasser. Dort wird die Entwicklung gestoppt und der Entwickler von der Platte gewaschen.

Darauf folgt die normale Fixierung des Silberbildes. Hierfür wird herkömmliches Natriumthiosulfat Fixierbad verwendet. Handelsübliches Schnellfixierbad ist leider ungeeignet.

Nach dem Fixieren wird in ständig wechselndem Wasser ausreichend gewässert. Danach kann die Platte getrocknet werden, und im trockenen Zustand mit Firnis-Lack überzogen.

Das Lackieren der Platte ist nicht unbedingt notwendig, jedoch ist die trockene Kollodium-schicht sehr empfindlich.

Als Lack hat sich der Sandarac Firnis bewährt. Dieser besteht aus Sandarac Harz, welcher in Spiritus oder Alkohol gelöst wird, und dem Lavendelöl hinzugeführt wird. Verwendet man hochprozentigen Alkohol (zB. 98%-iges Ethanol) muss dem Lack ca. 5% destiliertes Wasser (gemessen an der Menge vom Ethanol) hinzugefügt werden. Ansonsten besteht die Gefahr, dass die Kollodium-Schicht aufgelöst und zerstört wird.

Das Lackieren der Platte erfolgt auf gleicher Weise wie das „kollodionieren“ der Platte. Man gießt den Lack auf die Platte, lässt gleichmäßig verteilen und gießt den überschüssigen Rest über eine Ecke wieder ab.

Damit wäre die Platte fertig.

Einige wichtige Rezpte:

  

Diverse Kollodium Rezepturen:

Das Ansetzen der Salze ist etwas diffizil, da es nur sehr geringe Mengen sind und doch sehr genau abgemessen werden müssen. Auch dürfen die Salze in nur sehr geringen Mengen Wasser angesetzt werden. Dies gelingt recht gut indem man das notwendige destillierte Wasser erhitzt. Daher empfehle ich das Ansetzen von Salz-Konzentraten in Alkohol. Von diesen Brom-Jod-Salz Konzentraten kann man dann eine spezifische Menge nehmen, um sich auch kleinere Mengen Kollodium jeweils frisch anzusetzen.

Zwei bewährte Rezepturen mit Brom-Jod-Salz Konentraten:

Das John Coffers`s Old Workhorse Kollodium ist nach dem Ansetzen sehr trübe und von gelblicher Farbe. Es klärt sich nach einigen Wochen etwas. Dahingegen ist das Traditional Lea`s Landscape #7 Kollodium bereits am Anfang ganz klar. Im Laufe der Zeit trüben sich alle gesalzte Kollodium Emulsionen mehr oder weniger ein und nehmen eine rote bis bräunliche Farbe an.

Haltbarkeit der Lösungen

Das Silbernitratbad hält sich sehr lange, so lange es regelmäßig gereinigt und aufgefrischt wird, über mehrere Jahre oder Jahrzehnte.

Der Entwickler ist der Oxydation unterlegen, und hält in hoch gefüllten und geschlossenen Flaschen einige Wochen, bis maximal einem halben Jahr. Für gute Ergebnisse ist frischer Entwickler jedoch zu bevorzugen.

Das Fixierbad ist sehr lange haltbar, über Wochen und Monate hinweg. Jedoch gilt auch hier, dass für gute Ergebnisse frisches Fixierbad empfehlenswert ist.

Der Sandarac Firnis hält sich auch fast „unendlich“ lang. Natürlich verdunstet im Laufe der Zeit der Alkohol, was aber vernachlässigbar ist.

Das Kollodium kann unter anderem an der Farbe beurteilt werden. Je älter es wird, desto dunkler wird es. Das hat auch mit der Zersetzung der Nitrozellulose zu tun. Man kann durchaus auch altes Kollodium verwenden, will man jedoch sichere Ergebnisse bekommen, empfehle ich Kollodium zu verwenden welches nicht älter ist als ein halbes Jahr.

Leider ist es schwierig Kollodium zu filtrieren, da das Ethyl Ether und auch der Alkohol darin in hohem Maße verdunsten und die Dichtekonzentration stark beeinflussen. Die Viskosität des Kollodiums ist wichtig für einen möglichst gleichmäßigen und streifenfreien Emulsions-Guss.

So hatte man früher verschiedene Sommer- oder Winter-Kollodion Emulsionen verwendet. Diese Unterschiede lagen in der verhältnismäßigen Konzentration von Ether zu Alkohol im Kollodium.

Prozess-Ablauf:

Das putzen der Glasplatten

Verwendet man geschwärzte Blechplatten fällt einer der aufwendigsten Arbeiten schon mal weg: das putzen der Platte ! Diese Art der Kollodium-Fotografie wird allgemein als Tintype oder Ferrotypie bezeichnet.

Diese schwarz lackierten Blechplatten sind in der Regel mit einer Schutzfolie versehen. Man zieht einfach die Folie ab und gießt die Emulsion drauf. Es gibt nur sehr selten Probleme mit der Haftung der Kollodiumhaut. Jedoch kann es vorkommen, dass man eine art Muster im Bild bekommen kann, welches von der Klebeschicht der Folie herrührt.

Verwendet man jedoch, wie üblich Glasplatten als Träger, kommt man um das Putzen der Glasplatten leider nicht herum. Das Putzen der Platten hat zwei Gründe: Flecken und Staub auf der Platte können unschöne Muster hinterlassen, und das Kollodium haftet schlecht auf der Platte. Leider bemerkt man das erst wenn die Platte im Fixierbad oder Wässerungsbad ist. Aber dann ist es auch zu spät. Da kann man schon mal das Bild seines Lebens gemacht haben, aber die Schicht löst sich ab und alles ist vergebens.

Damit man sich keine Verletzungen zuzieht sollte man die Platten zuerst mit Schleifpapier entgraten. Danach werden die Platten normal gewaschen und poliert. Als Reinigungs/Polier-Mittel hat sich eine Lösung aus Alkohol (Spiritus) und Schlämmkreide bewährt, welcher man etwas Ammoniak zusetzt. Aber Vorsicht: Ammoniak ist ätzend!

Die Schlämmkreide setzt sich schnell am Boden ab. Deshalb sollte man diese Lösung immer gut schütteln bevor man es jeweils verwendet. Und dann heißt es putzen und polieren. Mit einem Baumwoll-Lappen vorputzen und mit einem trockenen Fensterleder polieren. Unter die Platte legt man ein feuchtes Fensterleder, damit die Platte nicht wegrutschen kann. Man kann die Platte aber auch praktischerweise in einen Putzrahmen einspannen. Mit dem Putzen entfernt man auch mögliches Fett auf der Glasplatte, welches auch die Ursache für das Haftungs-Problem der Kollodiumhaut ist. Daher sollten die Platten immer direkt vor dem Gießen geputzt werden.

Das gießen der Emulsion

Das Gießen der Emulsion ist eine Arbeit welche geübt werden muss. Man nimmt die Platte in die linke Hand (ich gehe mal von Rechtshänder aus) und hält sie mit drei Finger: den Zeigefinger entlang der langen linken Kannte, den Mittelfinger entlang der kurzen vorderen Kannte und den Daumen oben knapp auf der Ecke. Hielte man die Finger unter der Platte, würde sich die Platte an diesen Stellen erwärmen, und die Kollodiumhaut dort schneller trocknen. Mit der rechten Hand gießt man zügig und vorsichtig, aber ohne zu kleckern auf das hintere Drittel der Platte. Die Platte wird nun zuerst nach hinten-rechts leicht gekippt, dann leicht nach hinten-links, dann nach vorne-links und zum Schluss nach vorne-rechts. Dabei lässt man den überschüssigen Rest in eine extra bereitgestellt Flasche abgießen, welche ausschließlich altes zurück gegossenes Kollodium aufnimmt. Dabei kippt man die Platte immer wieder hin und her, um Ablaufstreifen zu vermeiden bzw. zu minimieren.

Sensibilisieren

Sobald die Schicht etwas matt wird und sich eine leichte Haut bildet, kann die Platte ins Silberbad. Für das Silberbad kann eine herkömmliche Fotoschale verwendet werden oder eine Küvette. Die Küvette hat den Vorteil, wenn sie in eine art vertikale Schachtel steht welche relativ Lichtdicht ist, man für den Zeitraum der Sensibilisierung bei normalem Tageslicht weiter arbeiten kann.

Mittels eines Haken lässt man die Glasplatte zügig aber nicht zu schnell, ohne zu stocken ins Silberbad hinab. Man verschließe den Deckel sofort und belasse die Platte für 2 bis 3 Minuten darin. Das herausnehmen der Platte erfolgt bei rotem Dunkelkammerlicht. Mit einem Lappen wische man die Rückseite der Platte etwas ab und lege die Platte in die Glasplatten-Kassette. Man hat nun ca. 10 bis maximal 15 Minuten Zeit die Platte zu Belichten, und wieder zurück in der Dunkelkammer die Platte zu entwickeln.

Entwickeln

Der Entwickler wird zügig über die ganze Platte gegossen, wobei man angehalten ist einen großen Teil des Entwicklers in form einer Pfütze auf der Platte zu halten. Man schwenke diesen Entwickler immer wieder etwas hin und her. Wenn alles herunter geflossen ist aber die gewünschte Dichte noch nicht erreicht ist wiederholt man diesen Vorgang. Bei guter Belichtung sollte die Entwicklung nach 30 Sekunden ausreichend sein, wobei man nach Bedarf bis zu 2 Minuten entwickeln kann. Es besteht jedoch die Gefahr der Verschleierung der Bilder.

Will man nur ein Tintype machen sollte die Entwicklung nur kurz erfolgen. Werden jedoch Glasplatten belichtet von denen später Salzdrucke, Kalitypien oder Albumindrucke gefertigt werden, sollte die Entwicklung etwas intensiver und länger erfolgen.

Stoppen der Entwicklung

Nach dem Entwickeln wird die Platte in eine Schale mit dest. Wasser gelegt. Sobald die Platte darin ist, kann nach einigen Sekunden mit der Schale ans Tageslicht gegangen werden. Die Platte badet in dem Wasser so lange bis von der Platte der ölige Film verschwunden ist, welcher von der Platte fließt. Dies kontrolliert man, indem man die Platte immer mal wieder aus dem Bad nimmt.

Fixieren

Danach kommt die Platte ins Fixierbad, worin sie ca. 10 Minuten badet. Das Bild klärt sich, und in einer schwarzen Fotoschale zeigt sich langsam ein positives Bild. Vermeintlich bezeichnet man diesen Vorgang häufig als „Entwicklung“, was jedoch falsch ist, das Bild klärt sich darin nur.

Schlusswässerung

Nach dem Fixieren muss ausreichend in ständig wechselndem Wasser gewässert werden. Ist ausreichend gewässert, werden die Platten auf einem Plattenständer zum Trocknen aufgestellt.

Lackieren der Platten mit Firnis

Die trockenen Platten werden auf folgender Weise mit Firnis überzogen: man hält die Platte an einer Ecke und erwärmt sie vorsichtig mit einer kleinen Spiritusflamme von unten. Damit die Glasplatte wegen ungleichmäßiger Erwärmung nicht zerspringt, muss die Platte zügig über der Flamme bewegt werden. Die richtige Temperatur ermittelt man indem man mit dem Handrücken immer mal wieder von unten die Glasplatte berührt und kontrolliert. Die Platte sollte also etwas mehr als Handwarm sein, nicht mehr. Daraufhin gießt man den Firnis auf gleicher Weise wie am Anfang das Kollodium auf die Platte. Nach ca. einem Tag sollte der Firnis trocken und die Schicht gegenüber mechanischer Beanspruchung geschützt sein.