Einige Jahre bevor ich in den Ruhestand ging, spürte ich, dass mir etwas fehlte – ein echtes, erfüllendes Hobby für die Zeit danach. Die Fotografie begleitete mich zwar schon immer, doch lange Zeit blieb sie auf klassische Familien- und Urlaubsbilder beschränkt. Wertvolle Erinnerungen zweifellos, aber ohne die Tiefe und Leidenschaft, nach der ich mich sehnte.

Als der Übergang in den „Unruhestand“ näher rückte, fasste ich den Entschluss, mich intensiver mit der Fotografie zu beschäftigen. Was zunächst als Zeitvertreib begann, entwickelte sich rasch zu einer echten Passion. Ich vertiefte mich in Technik, Geschichte und die vielfältigen Ausdrucksformen dieses Mediums. Dabei entdeckte ich auch meine Liebe zur analogen Fotografie neu und ließ mich von Gleichgesinnten dazu inspirieren, mich mit historischen Edeldruckverfahren auseinanderzusetzen – eine faszinierende Welt, die mich bis heute nicht mehr loslässt.

Inzwischen bin ich nicht nur passionierter Hobbyfotograf, sondern auch begeisterter Sammler. Mehr als einhundert Kameras haben sich im Laufe der Zeit angesammelt – vom schlichten Boxmodell bis hin zu hochwertigen Großformatkameras, darunter sogar eine „Ultra Large Format“-Kamera. Jede einzelne trägt ihre eigene Geschichte in sich.

Seit meinem Renteneintritt widme ich mich dieser Leidenschaft mit großer Hingabe. Ich habe mir eine gut ausgestattete analoge Dunkelkammer eingerichtet, in der ich meine Bilder vom ersten Moment der Aufnahme bis zur fertigen Ausarbeitung selbst gestalte. Die Arbeit mit Licht, Chemie und edlen Papieren unter der roten Lampe empfinde ich als zutiefst meditativ und erfüllend. Nach einem hektischen Berufsleben schenkt mir die bewusste Langsamkeit dieser Prozesse Ruhe und Ausgleich.

Besonders schätze ich das Unperfekte und den Zufall: das Arbeiten mit längst abgelaufenen Filmen oder Platten, das Experimentieren mit ungewöhnlichen Chemikalienrezepturen. Nicht jedes Ergebnis überzeugt – manches misslingt völlig, anderes überrascht dafür umso mehr. Gerade diese Unvorhersehbarkeit macht für mich einen großen Teil der Faszination aus.

Die Fotografie ist für mich längst mehr als nur ein Hobby geworden. Sie ist eine Bereicherung meines Lebens, eine unerschöpfliche Quelle der Kreativität und ein Weg, die Welt immer wieder mit neuen Augen zu sehen.